• Ludwig Rucker

Tereré | Die kalte Variante des Mate Tees

Tereré ist eine kalte Variante des traditionellen Mate Tees, die ihren Ursprung in Paraguay hat.


Was ist Yerba Mate?



Yerba Mate ist der umgangssprachliche Ausdruck für die Pflanze Ilex paraguariensis und Hauptbestandteil des Heißgetränkes Mate. Mate (auch Mate Tee) ist ein heißer Aufguss, der ursprünglich von den Guaraní, einem indigenen Volk Südamerikas, welches in den Regionen des heutigen Paraguay, Südbrasilien und Nordargentinien lebt, getrunken wurde. Die südamerikanischen Ureinwohner brauten sich aus den getrockneten Blättern des Mate-Strauchs einen Tee und begannen das heiße Getränk traditionell mit Bombas/Bombillas (wörtlich “kleine Pumpe”; ein spezieller Trinkhalm) aus der Cuia bzw. Kalebasse (traditionell eine Zierkürbis-ähnliche Frucht, die als Trinkgefäß ausgehöhlt wurde) zu trinken. Nicht zuletzt dank seiner energetisierenden und aufmunternden Wirkung ist Mate Tee in den Ursprungsregionen zum Nationalgetränk geworden und in vielen Teilen Südamerikas verbreitet und darüber hinaus bekannt.


Die lange Tradition von Yerba Mate und Mate Tee bringt auch eine Menge Bräuche, Geschichten und Mythen mit sich. Der wohl wichtigste und bis heute erhaltene Brauch ist das gesellschaftliche Trinken von Mate mit Familie, Freunden wie auch Fremden und die damit einhergehende traditionelle Mate Runde mit ihren “Regeln”.


Mate erreichte Europa erstmals im 16. Jahrhundert, als die spanischen Eroberer von ihren Südamerika-Expeditionen zurückkehrten. Auch durch zurückkehrende Auswanderer nach dem 2. Weltkrieg etablierte sich das Kultgetränk in Europa mehr und mehr.


Was ist Tereré?


An heißen Sommertagen einen warmen Mate Tee trinken? Das mag für den Körper gar nicht so schlecht sein, aber so ein kühles Erfrischungsgetränk ist für viele im Sommer dann doch die erste Wahl. Das dachten sich vermutlich vor vielen Jahrhunderten auch schon die Einwohner des heutigen Paraguay, denn sie trinken ihren Mate vermehrt kalt oder sogar eisgekühlt und nennen ihre Variante Tereré.


In dem kleinen Land Paraguay, welches Mitten in der Mate Anbauregion liegt, ist die Tereré sogar zum Nationalgetränk geworden und hat einen eigenen Nationalfeiertag bekommen, welcher jedes Jahr am letzten Samstag im Februar gefeiert wird. Mittlerweile ist Tereré auch in Brasilien, Uruguay und Argentinien als sommerliche Abwechslung zum heißen Mate Tee beliebt. Darüber hinaus wird Tereré auch im bolivianischen Tiefland getrunken. Den kalten Aufguss könnte man, wenn man so will, auch als Mate-Eistee bezeichnen; das perfekte Getränk an heißen Sommertagen und ein Muss für jeden Mate-Liebhaber.


Das Nationalgetränk der Paraguayer unterscheidet sich nicht so sehr von dem, was in den Nachbarländern getrunken wird. Der Hauptunterschied ist die Zubereitung: Die Paraguayer verwenden kein heißes, sondern kaltes Wasser. Außerdem ist das verwendete Yerba meist gröber geschnitten als beim heißen Mate Tee. Häufig wird Tereré dann noch verfeinert mit Zitrusfrüchten (wie Zitrone oder Orange) oder Kräutern (wie Minze und Zitronengras), aber dazu später mehr.


Woher kommt Tereré ursprünglich?


Tereré ist ein Wort der Guaraní, eine Interjektion, die den Klang beschreibt, der beim Trinken der letzten drei Schlücke des Aufgusses mit der Bombilla entsteht.


Wann der Brauch um den Tereré seinen Ursprung hat ist nicht ganz sicher. In Paraguay erzählt man sich die Geschichte, dass Soldaten während des Chacokrieges (1932-1935 zwischen Bolivien und Paraguay) anfingen, Mate kalt zu trinken, aus dem einfachen Grund kein Feuer entzünden zu müssen, das ihre Position verraten hätte. Allerdings kann man sich über die Wahrheit dieser Erzählung streiten, da auch überliefert wird, dass die Guaraní, die Ureinwohner der Region, den Mate schon kalt aufgegossen haben. Somit ist davon auszugehen, dass jene Soldaten das Getränk wahrscheinlich neu entdeckt haben. Allerdings tranken die Guaraní Tereré nicht in der heutigen Form. Diese entstand erst nach der Ankunft der Europäer in Paraguay.


Wie wird Tereré getrunken?



Wenn man seinen Mate als Tereré trinken will, wie ein echter Paraguayer, braucht man dafür eine Matera. Die Matera ist eine Tragetasche aus Leder, in der alles transportiert wird, was man fürs Trinken benötigt:

  • Eine Thermoskanne gefüllt mit kaltem Wasser, am besten eisgekühlt;

  • Die Bombilla: ein (Metall-)Trinkhalm mit Sieb;

  • Die Guampa: anders als sein heißes Gegenstück (serviert in einer Kalebasse oder Cuia) wird der Tereré in einem größeren, gewölbten Glas, einer Guampa, serviert und zubereitet. Traditionell handelt es sich hierbei um ein ausgehöhltes Stierhorn. Sie kann aber auch aus Glas, Keramik oder Aluminium bestehen. Eine herkömmliche Kalebasse/Cuia oder ein Glas funktionieren genauso gut (ist dann aber nicht traditionell);

  • Das Yerba und alle Kräuter, Zitrusfrüchte und sonstige Zutaten, die du dem Tereré zufügen willst. Früchte, Kräuter und Zuckerrohr-Stücke sind in Südamerika als Zutaten sehr beliebt.

Beim Trinken von Tereré ist die Ausrüstung jedoch nicht das Wichtigste. Wie auch beim Mate Tee geht es um die Gesellschaft, das Teilen und die richtige Mischung. Hauptsache man hat das Yerba, ein Gefäß, aus dem man trinken kann, die Bombilla und eine Handvoll Freunde, mit denen man den Genuss teilt.


Damit das kalte Getränk nicht so sehr auf den Magen schlägt, gibt es in Paraguay das traditionelle “tereré rupa” (wörtlich von den Guaraní: „das Tereré-Bett“ oder „die Tereré-Ruhe“) ein traditionelles zweites Frühstück, das im Laufe des Vormittags, vor dem ersten Tereré, zu sich genommen wird.


Wie schmeckt Tereré?


Da Tereré, genau wie Mate, ein Aufguss basierend auf den Blättern des Mate-Strauchs ist, ähnelt sich der pure Geschmack der beiden Getränke sehr. Allerdings wird, wenn Mate traditionell heiß aufgegossen wird, sein typisch bitterer Geschmack verstärkt. Im Umkehrschluss ist der Geschmack von Tereré weniger bitter. Durch Zugabe von verschiedensten Aromen, Früchten, Kräutern und vielem mehr kann der Geschmack nach Belieben verfeinert werden. Deshalb ist Tereré das passende Sommergetränk für alle und nicht nur für eingeschworene Mate-Liebhaber.


Was sind die Vorteile von Tereré?


Tereré bringt die gleichen Vorteile wie der klassische Mate mit sich. Mehr dazu könnt ihr in unseren Beiträgen über die Wirkung und die Inhaltsstoffe der Pflanze lesen, da das verwendete Yerba das gleiche ist. Der einzige Unterschied ist, dass Tereré erfrischend und somit eine super Abkühlung für den Sommer ist!


In Paraguay ist es durchaus üblich, dem Tereré Heilkräuter wie Yuyos, Eisenkraut, Minze und Boldo beizumischen, um Magen- und Kopfschmerzen zu lindern.


Doch mit dem Tereré kommen nicht nur dieselben gesundheitlichen Vorteile wie mit heißem Mate, sondern auch die Gesellschaft und die Freude beim Teilen mit Freunden und Familie. Mate ist und bleibt ein Socializer.


Eine Rezeptidee für Tereré



Die Zubereitung von traditionellem Mate unterscheidet sich von der Zubereitung von Tereré hauptsächlich dadurch, dass heißes Wasser zum Aufgießen verwendet wird, während man Tereré traditionell mit kaltem Wasser aufgießt. Die Abfolge der Zubereitungsschritte unterscheidet sich nicht. Deshalb empfehlen wir euch unser Erklärvideo zur Zubereitung eines traditionellen Mate Tees, welches ihr auch für die Zubereitung von Tereré zur Hilfe nehmen könnt. Besonders lecker schmeckt Tereré, wenn man ihn mit ein wenig Fruchtsaft, Kräutern oder Ähnlichem verfeinert. Deshalb hier mein Lieblingsrezept für Tereré:


Die Zutaten:

  • Yerba Mate

Für den Anfang am Besten klassischen Tereré, aber auch ein klassischer- oder aromatisierter Mate funktionieren genauso gut. Als Aromen zum Probieren empfehle ich Orange und Minze.

  • Eiswürfel

  • Kaltes Wasser, Fruchtsaft oder Limonade

Traditionell benutzt man zum Aufgießen kaltes Wasser. Ich kombiniere es gern mit Orangensaft, um dem Geschmack eine fruchtiges Note zu verleihen.

  • Früchte

Einfach eine Zitrone, Orange oder Limette aufschneiden, einen Teil davon in den Tereré Becher auspressen und hinein legen (Achtung: Bitte legt nur unbehandelte Bio-Früchte mit Schale in euer Getränk) und den Rest in die Thermoskanne mit dem kalten Wasser pressen. Probiert gern auch andere Früchte als Aromen aus, um herauszufinden wie es euch am besten schmeckt.

  • Kräuter

Um den Geschmack abzurunden geht nichts über ein paar frische Kräuter aus dem Garten oder vom Balkon. Am besten Minze oder Zitronengras.

  • Brauner Rohrzucker


Wie auch beim traditionellen Mate gilt hier: ausprobieren! Startet mit einem klassischen Tereré mit etwas Eis und Zitrone und findet heraus mit welchem Mischverhältnis von Wasser zu Saft (natürlich könnt ihr auch nur Saft zum aufgießen verwenden) und mit welchen Kräutern und Früchten es euch am besten schmeckt.


Das Zubehör:

  • Der Tereré Becher:

Obwohl Tereré traditionell in einer Guampa getrunken wird, ist es möglich, eure Kalebasse/Cuia oder sogar ein einfaches Glas zu verwenden.

Achtung: Wenn ihr eure Kalebasse aus natürlichem Material nehmt und Fruchtsaft oder Früchte zum aufgießen benutzt, wird der nächste Aufguss eventuell den fruchtigen Geschmack behalten. Das muss nicht schlecht sein, aber denkt trotzdem immer daran, euer Gefäß hinterher gut zu reinigen!

  • Die Bombilla

Um eine Bombilla kommt ihr nicht herum. Ihr braucht den klassischen Trinkhalm mit Sieb, damit die Teeblätter nicht in den Mund gelangen.

  • Eine Karaffe oder Thermoskanne mit Eiswasser


Die Zubereitung:

  1. Füll den Tereré Becher zur Hälfte mit Yerba Mate.

  2. Füge alle Extras hinzu, die du darin haben möchtest. Das Auge trinkt mit: Lege deshalb einen Eiswürfel und ⅛ Limette oben drauf.

  3. Setze die Bombilla ein. Wenn du traditionellen Tereré verwendest, sind die Blätter sehr grob geschnitten und du solltest keine Probleme mit einer verstopften Bombilla haben. Falls du Probleme hast oder feineres Yerba verwendest, kannst du hier Step-by-Step sehen, wie du deinen Aufguss am besten vorbereitest.

  4. Füll deine Thermoskanne oder Karaffe mit kaltem Wasser oder Saft und füge ein paar Eiswürfel hinzu.

  5. Jetzt musst du nur noch deine Kalebasse mit dem kalten Wasser auffüllen und du kannst anfangen, deinen Tereré zu genießen. Du kannst deinen Tereré so oft auffüllen bis der Geschmack nachlässt. Für mich sind das ca. 1l -1,5l leckerer Tereré (je nach Menge an verwendetem Yerba kann das variieren). Tipp: Gieß das Wasser immer an der gleichen Stelle neben der Bombilla ein.


Quellen:

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